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Persönlicher Einsatz, der sich auszahlt!

|   Press

Kollegialer Austausch - Es war eine große Ehre, die Johann Angres, Geschäftsführer der Steinfurth Messsysteme in Essen, im April 2019 zuteilwurde. Er ist der erste Deutsche, der es geschafft hat, ins Board der ISBT gewählt zu werden. ISBT? Noch nie gehört? Die International Society of Beverage Technologists, also der Internationale Verband der Getränketechnologen, ist sozusagen die MEBAK oder EBC der Soft Drink Industrie. Und weil es uns ähnlich erging wie Ihnen, haben wir Johann Angres in Bochum besucht und zur ISBT, seiner Berufung ins Board und auch zu den aktuellen Veränderungen in seinem Unternehmen befragt.

Kollegialer Austausch - Es war eine große Ehre, die Johann Angres, Geschäftsführer der Steinfurth Messsysteme in Essen, im April 2019 zuteilwurde. Er ist der erste Deutsche, der es geschafft hat, ins Board der ISBT gewählt zu werden. ISBT? Noch nie gehört? Die International Society of Beverage Technologists, also der Internationale Verband der Getränketechnologen, ist sozusagen die MEBAK oder EBC der Soft Drink Industrie. Und weil es uns ähnlich erging wie Ihnen, haben wir Johann Angres in Bochum besucht und zur ISBT, seiner Berufung ins Board und auch zu den aktuellen Veränderungen in seinem Unternehmen befragt.

Herr Angres, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! Das ist ja eine tolle Geschichte. Können Sie uns die ISBT etwas näher vorstellen?

Johann Angres: Die ISBT als professionelle Organisation ist Mitte der 1950er-Jahre in den USA gegründet worden. Von Anfang an mit dem Schwerpunkt für Ausbau, Förderung, Entwicklung und Verbreitung von Wissen zur besonderen Art und Wissenschaft der Getränkeproduktion. Das Engagement der Mitglieder aus den großen Getränkekonzernen wie Coca-Cola, Pepsi Cola, Dr. Pepper und andere hat die Organisation dann internationaler werden lassen und für die entsprechende Anerkennung in der Industrie gesorgt. Die ISBT verfolgt für die Soft Drink Industrie eine ähnliche Zielsetzung wie die MEBAK oder EBC für die Brauwirtschaft: Es werden auf freiwilliger Basis Standards und Prozeduren rund um alle Aspekte der Getränkeherstellung erarbeitet. Zu den verschiedenen Segmenten wie Qualität, Verpackung & Verschlüsse, Prozessabläufe, Hygiene usw. – insgesamt gibt es aktuell neun technische Committees – innerhalb dieser Committees, gibt es auf bestimmte technische Aspekte fokussierte Arbeitsgruppen, die Subcommittees. Dort werden dann einzelne Fragestellungen und Probleme diskutiert und nach Lösungen gesucht. Das Besondere an der ISBT ist, dass nicht ein Unternehmen Mitglied ist, sondern der Mensch ganz persönlich und mit all seinem Fachwissen.

Was meinen Sie damit genau?

Angres: Es geht vorrangig nicht darum, Firmeninteressen zu vertreten, sondern sich fachlich zu engagieren und sich mit seinem Wissen einzubringen. Wir reagieren auf aktuelle Herausforderungen in unserer Industrie, diskutieren neue Ideen, einigen uns auf einheitliche Verfahren, schaffen damit vergleichbare Prüfverfahren oder Empfehlungen (Guidelines) zur Vorgehensweise bei unterschiedlichen Alltagsherausforderungen in der Getränkeherstellung. Das nutzt allen Beteiligten und den Unternehmen, die dahinterstehen, zumal es vor der Gründung der ISBT keine vergleichbare Organisation für die Soft Drink Industrie gab.

Wie sind Sie zur ISBT gekommen?

Angres: Über unseren Kunden Coca-Cola. Die Mitarbeiter dort engagieren sich stark in der Organisation. Seit 2006 bin ich ISBT-Member. Als ich zwischen 2007 und 2010die Steinfurth Niederlassung in den USA aufgebaut habe, habe ich gemerkt, welch gutes Netzwerk hier existiert und wie viel man bewegen kann, wenn man sich engagiert. Das Packaging Technical Committee entsprach am besten meinen persönlichen Interessen und mitgebrachten Erfahrungen. Aber auch die anderen technischen Committees trugen zum Ausbau meines Wissens und meiner Industrieerfahrung bei.

Ist die ISBT nur in den USA präsent?

Angres: Nein, keineswegs. Allerdings liegen dort die Wurzeln, sodass dort das Jahrestreffen der Organisation stattfindet (mit einer stetig wachsenden internationalen Teilnehmeranzahl). Mittlerweile existieren ISBT Sektionen in Europa, Kanada und Lateinamerika. Ganz neu ins Leben gerufen ist die Sektion India. Noch im Planungsstadium befindet sich Asia-Pacific. Die Sektionen organisieren dann noch einmal jährlich ein Regionaltreffen. Insgesamt gibt es ca. 700 Mitglieder. Das Board of Directors besteht aus neun Personen, von denen jährlich drei Positionen neu besetzt werden. Der Präsident wird jährlich neu gewählt. Nachdem bisher ausschließlich US-Amerikaner Präsident waren, bekleidete 2018 der Brite Gary Robson von Unisensor das Amt. Auf ihn folgte der Ire Manus Mitchell von Pepsi Co. Die ISBT ist eine sehr demokratische Angelegenheit. Es geht nicht um Firmen, Nationalitäten oder Firmenzugehörigkeit, sondern um den Menschen und seine Fähigkeiten. Hier sprechen Kollegen miteinander, die im Wettbewerb stehen, und besprechen Vorgehensweisen und Verfahren, die der gesamten Industrie dienen. Und was ich als eines der Highlights empfinde, ist das soziale Engagement der ISBT. Sie unterstützt z.B. Studenten in den USA bei den doch erheblichen Studiengebühren und sorgt so für die Nachwuchsförderung. Eine weitere sehr interessante Entwicklung bei der ISBT ist das Interesse an Kooperationen mit anderen internationalen Organisationen – wie zuletzt mit der europäischen CETIE im Bereich der Vereinheitlichung gemeinsamer verpackungsfokussierter Guidelines und Prozeduren.

Sind die Brauereien ganz außen vor?

Angres: Früher waren sie nicht dabei, schließlich gibt es in der Brauwirtschaft sowohl seitens der MEBAK wie auch der EBC bestens beschriebene Methoden und Prüfverfahren. Aber das ändert sich, da sich nun einerseits die Craft Brewer für das Thema freiwillige Guidelines interessieren und zum anderen die Themen und Herausforderungen der Getränkebranche zunehmend globaler und für sämtliche Bereiche und Getränketypen gültig werden. Außerdem stehen neue Herausforderungen an, die auch die Brauwirtschaft betreffen: neue Materialien, neue Verschlüsse, neue Finishes. Verpackung und Kosten sollen gespart werden, Funktionen aber erhalten bleiben.

Entwicklung in der Verpackungsentwicklung begleiten Bei MEBAK oder EBC sind Gebühren zu zahlen, um die Methoden nutzen zu können. Wie ist die ISBT organisiert?

Angres: Sie können für 350 USD im Jahr Mitglied werden und somit das gesamte Wissen der Organisation nutzen. Das ist ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, und außerhalb USA sind darin auch die Teilnahmegebühren für das Regionaltreffen enthalten. Das nächste ISBT Event in Europa ist übrigens das 16. Bevtech Europe Meeting bei Anton Paar in Graz, das am 25. und 26. September 2019 stattfindet und wo ich mit einem internationalen Team für das Programm verantwortlich bin. Wir befassen uns schwerpunktmäßig mit dem Thema „Technology and Sustainability in the Beverage Industry“.

Was sind denn aus Ihrer Sicht aktuelle und zukünftige Themenschwerpunkte? Und welche Wünsche haben Sie als Board-Member für die ISBT?

Angres: Ein Thema aus jüngerer Vergangenheit, das wir bearbeitet haben, war die Frage nach der mikrobiologischen Sicherheit beim Einsatz von Eiswürfeln in Getränkeautomaten. Da gab es vor einiger Zeit Probleme mit Verunreinigungen, deren Lösung wir durch Hygieneregeln und Empfehlungen unterstützen konnten. Ein besonders bekanntes Projekt aus der Vergangenheit war die maßgebliche Begleitung und Einführung des 1881 Flaschenfinishes der auch „Short Finish“. Für die Zukunft denke ich neben den eben schon genannten Schwerpunkten an die tethered closures, also einteilige Flaschenverschlüsse, die zur Reduzierung der Kunststoffabfallflut beitragen sollen. Ich persönlich wünsche mir eine noch intensivere Internationalisierung der ISBT. Ich sehe in der internationalen Kooperation der Fachleute den Schlüssel zur Lösung von künftigen Herausforderungen und Öffnung von neuen Möglichkeiten und Potentialen.

Ihr Engagement hat auch Ihrer Firma Steinfurth Messsysteme genutzt. Bevor wir darauf eingehen – können Sie uns einen kurzen Überblick über die Historie des Unternehmens geben?

Angres: Die Firma wurde 1934 von Theodor Steinfurth, einem ehemaligen Siemens-Ingenieur gegründet, der in den Wirren der Weltwirtschaftskrise arbeitslos geworden war und sich selbstständig machte. Er war ein genialer Konstrukteur und Unternehmer und entwickelte schwerpunktmäßig Sicherheitssysteme für den Steinkohlebergbau, wie Stromabnehmer für Lokomotiven, Waggonkupplungen und explosionssichere Stromführungen. Das war im sich entwickelnden Ruhrgebiet eine sichere Unternehmensbasis. In den 1960er-Jahren baute Steinfurth das erste explosionssichere Multimeter, das ich Ihnen noch zeigen kann. Steuerungen und erste Messsysteme folgten. Anfang der 1960er-Jahre übernahm sein Neffe Rolf die Geschäftsführung. In dieser Zeit kamen dann die ersten Anfragen aus dem nahen Coca-Cola Global Development Center Essen – vorwiegend im Bereich der Entwicklung von speziellen Messsystemen. Aus einem solchen Projekt entstand auch der erste automatische Steinfurth CO2-Schüttler als Ersatz für die händische CO2-Messung. Über die Coca-Cola Organisation wurden die Geräte weltweit bekannt. Noch heute ist der CO2-Schüttler einer unserer Verkaufsschlager – wenn auch als moderne Lösung zur CO2-Messung an abgepackten Getränken. Unsere alten Schüttler sind so robust, dass selbst noch Geräte aus den 1970er-Jahren in einigen Getränkebetrieben
im Einsatz sind.

Vom Projekt zum Produkt

1992 kam ich als junger Elektroingenieur in die Firma wie auch mein Kollege Martin Falkenstein. Es begann eine Zeit des Umbruchs in der Firma, denn der Bergbau hatte keine Zukunft. Das führte letztendlich dazu, dass wir beide 1999 zusammen mit Rolf Steinfurth die Steinfurth Messsysteme gegründet haben, aus der Rolf Steinfurth wie geplant bald wieder ausstieg, da er sich zur Ruhe setzen wollte, aber zuvor noch den Firmennamen weitergeben wollte. Unser Schwerpunkt lag da schon nicht mehr auf dem Bergbau, sondern auf der Qualitätskontrolle an Getränken und Getränkeverpackungen, wo uns Kunden aus Softgetränke- und Braubranche, Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen oder diverse Verpackungshersteller als ihre Entwicklungspartner sehen. Wenn ein Kunde mit einer Idee auf uns zukommt, überlegen wir gemeinsam, wie wir die Fragestellung lösen können. Bei der Erforschung neuer Technologien oder Lösungen kann es sein, dass als Ergebnis dann nur ein Einzelstück angefertigt wird. Bei Sonderlösungen können als Ergebnis Serien von 10 bis 20 Systemen pro Jahr entstehen. Unsere Standardlösungen werden in Stückzahlen von 100 bis 200 pro
Jahr gefertigt.

Also keine Fertigung in großer Menge für die Abfülllinien der Konzerne?

Angres: Nein, wir sind absolute Spezialisten. Diese Vorgehensweise ist für uns typisch: Es wird eine Fragestellung an uns herangetragen, und wir entwickeln dann innerhalb kurzer Zeit das passende Gerät, häufig aus bereits bestehenden Sensor-Modulen aus unserem Portfolio. Auf diese Weise kommen wir auf über 50 verschiedene Produkte, die Einzelanfertigung bleiben, oder aber, wenn das Gerät für weitere Kunden interessant ist, an die Bedürfnisse dieser Kunden angepasst werden. So beliefern wir mit insgesamt 20 Mitarbeitern Kunden in über 75 Ländern bei einem Jahresumsatz im Bereich von fünf Mio EUR. Im Moment entwickeln wir ein mobiles zerstörungsfreies CO2-Messgerät als Handgerät. Sehr spannend von der technischen
Herangehensweise und von den Einsatzmöglichkeiten her! Nicht zuletzt unser Engagement bei der ISBT hat uns bei der Weiterentwicklung der Technologie sehr geholfen, die Kontakte bei den Veranstaltungen und der Wissensaustausch unter den Kollegen sind eine große Hilfe. Schon aus diesem Grund habe ich mich über die Wahl in das Board of Directors wirklich sehr gefreut.

Herr Angres, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte BRAUWELTChefredakteurin
Dr. Lydia Junkersfeld.

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